Prozessmanagement

Kostenmanagement-Methoden und ihre Vor- und Nachteile

Kostenmanagement-Methoden - Prozessmanagement mit affinis

Das Kostenmanagement bietet viele Methoden zur Kostensenkung und -kontrolle. Die Methoden haben ihre Vor- und Nachteile, sodass deren Anwendung von den jeweiligen Zielen des Unternehmens und von der Marktumgebung abhängig ist. In den stark umkämpften Märkten und ständigem Wandel ist es für viele Unternehmen von essenzieller Bedeutung Ihre Kosten im Griff zu haben, um konkurrenzfähig zu bleiben. Hierfür bietet das Kostenmanagement einige Tools, die das Unternehmen dabei unterstützen sollen, Gemeinkosten effektiv und effizient auf die jeweiligen Kostenträger zu verteilen und zu optimieren. Im Folgenden werden einige Methoden des Kostenmanagements kurz beschrieben.

Kostenmanagement-Methode 1: Gemeinkostenwertanalyse

Die Gemeinkostenwertanalyse verfolgt das Ziel der Kostenreduktion im Verwaltungsbereich des Unternehmens. Also Kosten, die im horizontalen Bereich des Unternehmens entstehen (siehe Abb. 1) und durchläuft drei Phasen:

Die Vorbereitungsphase beinhaltet die Projektorganisation und -planung sowie Vorbereitung und Schulung der Beteiligten. In der Analysephase werden die einzelnen Leistungen auf überflüssige Tätigkeiten, unnötige Perfektion und doppelte Arbeit untersucht und mit Hilfe der Kosten-Nutzen-Analyse bewertet. Leistungen mit dem geringsten Kosten-Nutzen-Ergebnis werden als Einsparpotenzial erkannt und auf Realisierbarkeit geprüft. Ergebnisse werden dokumentiert und an das Management weitergeleitet. In der Durchführungsphase erfolgt die Umsetzung von Plänen bzw. Maßnahmen, die in der Analysephase entwickelten wurden.

Kostenmanagement-Methode: Gemeinkostenwertanalyse Unternehmensfunktionen
Abb. 1: Unternehmensfunktionen

Eine schnelle Umsetzung und Durchführung der Methode verhindert Politisierung. Die effektiven Einsparungen betragen in der Regel 10–20%, allerdings ist der Erfolg von der Motivation der Mitarbeiter abhängig. Da das Verfahren auf kurzfristig ambitionierte Ziele setzt, wird es gerne in Krisensituationen angewendet, langfristig ist der Erfolg zweifelhaft.

Kostenmanagement-Methode 2: Zero-Base-Budgeting

Das Zero-Base-Budgeting ist, genau wie die Gemeinkostenwertanalyse, eine Kostenmanagement-Methode zur Senkung der Gemeinkosten. Sie basiert auf der Grundüberlegung, dass alle Unternehmensbereiche ihre Investitionswünsche periodisch neu definieren und begründen müssen. Es soll vermieden werden, dass einmal festgelegtes Budget im weiteren Verlauf als einfach gegeben fortgeschrieben wird, ohne dabei kritisch hinterfragt zu werden.

Kostenmanagement-Methode: Zero-Base-Budgeting
Abb. 2: Zero-Base-Budgeting

Diese Kostenmanagement-Methode gliedert sich in 9 Stufen auf (siehe Abb. 2). In diesen Stufen werden die Ziele der beteiligten Bereiche definiert und das erwünschte Qualitätsniveau (in der Regel 3 Stufen: minimal, durchschnittlich, optimal) der einzelnen Funktionen festgelegt. Anschließend werden die einzelnen Ziele in Entscheidungspakete zusammengefasst und anhand der Nutzwertanalyse in eine Reihenfolge gebracht, in der das Paket mit dem maximalen Nutzen als erstes steht. Das Budget wird anhand der ermittelten Reihenfolge auf die Pakete verteilt. Dadurch, dass die Methode eine kontinuierliche Überwachung der Entscheidungen fordert, schafft es auf der einen Seite Vorteile:

  • Unternehmensziele bleiben stets klar strukturiert
  • Wirtschaftlichkeit des Unternehmens rückt nicht in den Hintergrund
  • Unternehmensstrukturen werden auf ihre Funktionserfüllung überprüft und hinterfragt
  • Fordert Transparenz und Kommunikation

Auf der anderen Seite führt die ständige Kontrolle und Infragestellung der Lösungsansätze zu Konflikten. Auch der Aufwand für den exakten Ablauf der einzelnen Phasen ist sehr groß. Zusätzlich kommt hinzu, dass die Einsparungen auf Kosten der Qualität erfolgen können, die ermittelte Rangordnung der Entscheidungspakete ist subjektiv. Ein weiterer wesentlicher Nachteil ist, dass die Methode kurzfristige Investitionen, die im selben Jahr einen Gewinn versprechen können, bevorzugt. Langfristige Investitionen in die Forschung und Entwicklung oder in die Personalweiterbildung kommen hingegen zu kurz.

Kostenmanagement-Methode 3: Target-Costing

Target-Costing ist eine Kostenmanagement-Methode die in der Produktentwicklungsphase angewendet wird. Dabei wird das Ziel gesetzt herauszufinden, über welche Eigenschaften im Hinblick auf Kundenwünsche das Produkt verfügen soll und wieviel die einzelnen Komponenten kosten dürfen. Diese Kostenmanagement-Methode wird insbesondre bei der Entwicklung von komplexen Produkten angewendet.

Kostenmanagement-Methode: Target-Costing
Abb. 3: Target-Costing

Das Target-Costing verläuft in 3 Phasen: In der Zielkostenfindungs-Phase werden der Marktpreis und die Absatzmenge ermittelt. Anschließend wird der Umsatz des Produktes über den gesamten Lebenszyklus errechnet. Die Zielkosten ergeben sich aus der Differenz zwischen dem ermittelten Zielpreis und dem gewünschten Gewinn.

Zur Ermittlung des Zielpreises existieren mehrere Methoden:

  • Market into Company: Zielpreis wird vom Markt vorgegeben
  • Out of Company: Der Zielpreis ergibt sich aus den Produktionskosten des Unternehmens, es fehlt der Bezug zum Markt
  • Out of Competitor: Zielpreis wird vom Preis des Konkurrenzproduktes abgeleitet
  • Out of Standard Costs: Der Zielpreis basiert auf unternehmensinterne Erfahrung, es fehlt der Bezug zum Markt.
  • Into and out of Company: Kombination aus den ersten beiden Methoden.

In der Zielkostenplanungs-Phase werden die Zielkosten auf die einzelnen Komponenten des Produktes verteilt, mit dem Ziel kundennutzenorientierte Ressourcenallokation sicherzustellen. In der Zielkostenerreichungs-Phase werden die beschlossenen Maßnahmen umgesetzt. Dabei können unterschiedliche Ansätze verfolgt werden: technologieorientierte, prozessorientierte und organisatorische Konzepte.

Target-Costing ist ein strukturierter Versuch, Produkte frühzeitig an Kundenbedürfnisse anzupassen und somit die Kosten zu reduzieren. Kritisch ist anzumerken, dass die wechselseitigen Effekte der einzelnen Produkteigenschaften aufeinander vernachlässigt werden sowie der Zusammenhang zwischen Wertschätzung und Kosten als linear angenommen wird. Der Einsatz bei neuen Produkten ist begrenzt, da der Kunde noch nicht in der Lage ist, die Eigenschaften des Produktes qualitativ zu beurteilen

Neben Target-Costing existieren weitere verwandte Kostenmanagement-Methoden wie Target Budgeting und Kaizen Costing. Wehrend Target-Costing sich in erster Linie auf Prozesse in der Produktentstehungsphase beschränkt, orientiert sich das Target Budgeting auf den gesamten Produktlebenszyklus und wird im operativen Bereich durch Kaizen-Costing ergänzt.

Fazit zu den Kostenmanagement-Methoden

Jede Methode für das Kostenmanagement bringt ihre Vor- und Nachteile mit sich und muss in Abhängigkeit von der Markt- und Unternehmenssituation angewendet werden. So wird nahegelegt, dass Methoden, die Zero-Base-Budgeting ähnlich sind, eher in den Bereichen anzuwenden sind, in denen die Ausgaben außer Kontrolle zu laufen drohen. Dagegen eignen sich Target-Costing ähnliche Methoden auf hart umkämpften Märkten am besten.

Quellen:

Beitragsbild: pixabay.com

„Es bereitet mir Freude komplexe Datenstrukturen und Vorgänge zu analysieren und die erforderlichen Prozessanpassungen zur Optimierung der geschäftlichen Abläufe zu definieren und erfolgreich umzusetzen.“