Prozessmanagement

BPMN – Business Process Model and Notation (Geschäftsprozessmodell und -notation)

Im vorherigen Artikel wurde die erste Notation „EPK (Ereignisgesteuerte Prozesskette)“ vorgestellt. In diesem Beitrag wird auf die zweite Notation „Business Process Model and Notation (kurz: BPMN)“ näher eingegangen.

BPMN ist eine Prozessnotation im Prozessmanagement. Dabei handelt es sich um eine Spezifikationssprache zur grafischen Darstellung von Geschäftsprozessen. Durch sie wird sowohl die rein fachliche Modellierung von Arbeitsabläufen als auch die technisch orientierte Gestaltung von Prozessen ermöglicht. BPMN bietet elegante Mittel, um diese visuell nachvollziehbar und vor allem vollständig abzubilden.

Fachliche Modellierung? Technische Ausführung?

Beim Fachlichen geht es um eine logische Reihenfolge von verschiedenen Arbeitsabläufen. Die fachlichen Anforderungen von Geschäftsprozessen werden in eine allgemein verständliche Beschreibung für alle Beteiligten modelliert.

Die technische Ausführung repräsentiert die IT-Sicht auf einen ausgeführten Prozess. Dabei geht es um eine weitestgehende Automatisierung von Prozessen.

Damit unterstützt die BPMN die Modellierung von der Entwurfsphase bis zur technischen Systementwicklung. Der BPMN-Standard wird von der Object Management Group (OMG) verwaltet und gepflegt.

Kommunikation und Transparenz der BPMN

Die BPMN stellt in erster Linie eine Reihe von Symbolen bereit. Die grafische Definition der Symbole und die Regeln ihrer Anwendung bezeichnet man als Syntax. Die inhaltliche Bedeutung der Symbole bezeichnet man als Semantik.

Ein grundsätzliches Verständnis der Syntax und Semantik ist die Voraussetzung für den Einsatz von BPMN. In Abbildung 1 finden Sie die wichtigsten Symbole im Überblick:

Abbildung 1: Symbole der BPMN (GBTEC Software + Consulting AG (2017), Prozessmodellierung BPMN 2.0, S. 11)

Am häufigsten wird BPMN in den folgenden Fällen angewandt:

  • bestehende Prozesse sollen dokumentiert werden
  • bestehende Prozesse sollen organisatorisch und/oder durch Software-Lösungen verbessert werden
  • neue Prozesse sollen eingeführt werden

Beispiel: Ein Prozess aus der Praxis, modelliert nach BPMN mit Bizagi Modeler.

Abbildung 2: Beispiel der BPMN (Thomas Büdinger, 2012)

 

Vorteile:

  • BPMN Standard ist weit verbreitet
  • kostenlos verfügbar
  • übersichtliche Struktur der Elemente
  • Ereignisse, Ausnahmen und Aktivitäten können gut modelliert werden
  • Einfache Semantik
  • ausreichende Detaillierung möglich
  • einheitliche Kommunikation zwischen Fach- und IT-Welt

BPMN unterstützt die Modellierung und Ausführung von DMN und CMMN. Beide Notationen werden nachfolgend kurz erläutert.

DMN – Decision Model and Notation (Entscheidungsregeln im Geschäftsprozess)

Jeden Tag werden in einem Unternehmen Entscheidungen getroffen und in Konsequenz Prozesse ausgeführt. DMN ist dafür geeignet, diese transparenter zu machen. Prozesse mit komplexen Entscheidungen können durch DMN genauer dokumentiert und von allen Beteiligten leichter nachvollzogen werden. DMN kann in BPMN integriert werden, so lassen sich Geschäftsprozesse übersichtlicher und klarer modellieren.

Typische Beispiele:

  • einen Kredit bewilligen (Wie kreditwürdig ist der Kunde?)
  • Anrufe in der Service-Hotline (Ansage mit unterschiedlichen Auswahlmöglichkeiten)
  • Schaden der Versicherung melden (Schadensregulierung übernehmen oder ablehnen)

CMMN – Case Management Model and Notation (unstrukturierte Fallbearbeitung)

Ein kleiner Teil von Entscheidungen muss einer manuellen Bearbeitung unterzogen werden. Es geht um vermeintlich klare Regelungen, die von Fall zu Fall unterschiedlich bearbeitet werden können. Es kann oft sein, dass ein Prozess effizienter ist, wenn der Sachbearbeiter selbst entscheiden kann, in welcher Reihenfolge bestimmte Aktionen durchgeführt werden. Dadurch entstehen auch unterschiedliche Ergebnisse. CMMN bietet die Möglichkeit, sehr variable und flexible Prozesse darzustellen. Diese zeichnen sich dadurch aus, dass sie keiner zuvor festgelegten Reihenfolge entspricht.

Typische Beispiele:

  • Reorganisation eines Unternehmens
  • Vorstellungsgespräch
  • Widerspruch bearbeiten

Eine kurze Ausführung über die Notationen der Prozessmodellierung finden Sie hier.

 

Quellen:
Beitragsbild: https://pixabay.com
Praxishandbuch BPMN (von Camunda Services GmbH) 5. Auflage 2016
Abbildung 1: https://www.gbtec.de/template/elemente/310/BPMN_2.0_Konventionen.pdf
Abbildung 2: http://treffpunkt.buedinger.name/bpmn-geschaeftsprozesse-modellieren-pools-lanes/

 

Durch verschiedene Projekteinsätze in der Energiewirtschaft habe ich fundierte Kenntnisse und Erfahrungen in Projektmanagement und Prozessgestaltung. Das Abbilden und Optimieren von unternehmerischen Prozessen ist meine Leidenschaft, weshalb ich mich fortlaufend mit neuen Methoden auseinandersetze.